Autor Thema: Mond und Fuchs  (Gelesen 38 mal)

Offline Daniel

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Mond und Fuchs
« am: Juni 03, 2020, 00:01:04 »
Die Sonne lachte über Grünweiler an diesem 31. Tag des 5. Monats 20 Viviane.
Auf dem Dorfplatz hatten sich die Bewohner des Weilers eingefunden. Auch viele andere Gäste waren an diesen Ort der Gemeinsamkeiten gekommen.
Die Verwalter der Gemarkungen, Eloell und Saewin als Vertreter der Frostwaldelben, die Häuptlinge Gork Steinfaust und Bork Knochenschild sowie die Schamanen Gorfang und Grisma.
Am Rand des Platzes stand eine Figur, die aus losen Steinen zu bestehen schien.
Die andere Seite des Platzes war mit einer Tafel und vielen weiteren Tischen zugestellt.
Thorus und Hauptmann Hinrich standen am Drachenschrein, während sich die Burgwachen und Späher rund um den Platz auf Wachposten befanden.
Zwischen dem Standbild der vier Totems, in der Mitte des Platzes und dem Drachenschrein standen Arianna von Eismond und Eskel von Wendt.
 
Thorus und Wulf die Vertrauten der Kronvögtin traten leicht hervor und Thorus, der die Aufgaben des kürzlich verstorbenen Heroldes Gerald Isengrimm übernommen hatte, sprach mit fester Stimme: „Seid Ihr bereit, kann die Zeremonie beginnen?“ - Die Kronvögtin nickte stumm.
 
Thorus hob die Hand und prompt ertönte vom Wachturm am Dorfrand eine Fanfare.
Verblüfft schauten die versammelten zum Dorfrand. Von dort war eine Kutsche in schneller Fahrt auf dem Weg zum Dorfplatz. Ein Raunen ging durch die Menge, als sie erkannte, dass die sich rasch nähernde Kutsche von Eichenhainbanner und Krone geziert war.
Die Bewohner bildeten eine Gasse und die Kutsche hielt auf dem Platz. Majestätisch entstieg Viviane von Eichenhain, die Königin höchstselbst der Kutsche und schritt würdevollen Schrittes auf ihre Kronvögtin zu, während die Anwesenden auf die Knie sanken. Nachdem sie das Volk aufgefordert hatte sich wieder zu erheben sprach sie mit klarer Stimme: „Euer heutiges Vorhaben, hochachtbare Dame, kann ich so nicht erlauben.“ Nicht nur die Kronvögtin schien verdutzt. Doch freundlich ergänzte die Königin: „Ihr dient mir nun seit Jahren gut in Erbnacht. Daher will ich es nicht dulden, dass Ihr ohne eigenes Land eine Familie gründet.“
 
An alle Anwesenden gerichtet fuhr die Königin fort: „Die Gemarkung Frostwald ist uns teuer und gehört zu unseren wichtigsten Gütern. Frostwald sei künftig ein Freiherrentum, in welchem ein Freiherr, ein besonderer unter unseren Lehnsmannen, mit Adelsprivilegien herrsche.“
 
Die Königin nickte Thorus zu, der mit einer Schriftrolle in Händen zu seiner Kronvögtin schritt, und fuhr dann mit zeremonieller Stimme fort: „Das Freiherrentum Frostwald ist ohne Lehnsmann. Seid Ihr, Arianna Rosalie von Eismond, bereit Lehnsfrau in diesem Freiherrentum zu werden?“
Arianna las von der inzwischen vor ihren Augen entrollten Schriftrolle die altbewährte Formel würdevoll ab: „Bei der Ehre des Hauses Eismond gelobe ich, Arianna Rosalie von Eismond, für mich und die meinen und alle die mir verpflichtet, Lehnstreue und Gefolgschaft für all meinen Besitz, der Krone Galladoorns. Gemäß dem Gesetze werde ich als Lehnsfrau alle Lehnspflichten Euch, Viviane von Eichenhain, und Eurer Nachkommenschaft, als Lehnsherrin gegenüber treu und gewissenhaft erfüllen.“
Die Königin erwiderte: „Die Krone Galladoorns nimmt Euch Arianna Rosalie von Eismond als Lehnsfrau an und übergibt Euch und Eurer Nachkommenschaft unter unserem königlichen Schutz, das Freiherrentum Frostwald zum Besitz im Sinne des Lehnsrechts.
Gemäß dem Gesetz werden Euch und den Euren und allen die Euch verpflichtet, die Lehnsrechte zugebilligt.“
 
Nach einer kurzen Pause ergänzte die Königin: „Nun, Euer Wohlgeboren, nun könnt Ihr mit meinem Segen eine Familie gründen.“ - „Ein hoch auf die neue Freifrau von Frostwald“, erklang stolz Thorus Stimme. Im lauten Jubel des Volkes, waren die Worte, die die Freifrau von Frostwald zur Königin sprach, kaum zu vernehmen.
 
Thorus geleitete die Königin nun an den Rand des Platzes und Wulf trat vor Arianna:
„Arianna von Eismond, du stehst hier vor Zeugen des Stammes und des Landes. Sprich laut aus, was du uns zu sagen hast.“ Der Halbork trat zur Seite.
 
Arianna atmete tief durch und sprach zu Eskel: „Ich reiche Dir die Hand zur Ehe und gelobe Dir dies:
Als mein Gemahl sollst Du eingehen in mein Haus, Du sollst meinen Namen tragen und mein Wappen, als das Wappen deines Hauses führen. Dein Blut soll dem Eismond zufließen und von diesem nicht geschieden werden, solange Du lebst.“
 
Arianna streckte Ihre rechte Hand aus und Eskel legte seine Linke hinein.
 
Dann sprach Eskel: „Ich nehme Deine Hand zur Ehe und gelobe dir dies:
Von meines Vaters Haus will ich scheiden und ablegen Namen und Wappen. Entsagen will ich auch dem Erbe, welches mir nach Blut und Recht gebührt. Ich will nicht verlangen es zu besitzen, solange ich lebe.“


Wulf trat wieder vor.
“Die Zeugen haben es gehört, doch noch jemand soll gehört werden.”

Aus dem Torbogen des Gemeinschaftsschreins traten auf den Aufruf des Halborks drei Personen.
Pater Dantioch - der Defensor, Gwendolyn - seine Novizin und Tengil, welcher seit Kurzem ebenfalls mit dem Priester durch das Königreich reiste. Schwarz die Kutten, strahlend weiß der Drache darauf, ein ungewohntes Bild.

“Für die Gemeinschaft des Großen Drachen und das Haus Sternbach stehen wir als Zeugen des Bundes, der heute vor dem Großen Drachen und seinem Volk geschlossen wurde. Eskel und Arianna, mag der Große Drache voller Wohlwollen auf eure Verbindung schauen, sie segnen und euer Blut mehren. Seine Schwingen sollen euch zum Schutz ummanteln, wenn der Sturm aufzieht. Seid einander treu und inniglich verbunden. In Liebe, Mut und Wahrheit, denn der Drache beschützt.”

Arianna und Eskel küssten sich. Die Kronvögtin schaute in die jubelnden Gesichter der Anwesenden, dann zu der Figur aus Stein. Das Erdelementar nickte.
Spielleute begannen zu musizieren und auf dem Platz wurde getanzt. Später zogen das Brautpaar und die Gäste zu der Tafel und den Tischen, an denen festlich und reichlich aufgetragen wurde.
Rechtschreibfehler sind im Preis inbegriffen.

Halbtags Dichter und Denker

Wenn die Welt dich will erdrücken,
Schaffe dir Träume die entzücken.