Autor Thema: Geschichten/Mythen aus Kharkov  (Gelesen 244 mal)

Offline Jegor

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Geschichten/Mythen aus Kharkov
« am: Februar 29, 2020, 08:25:18 »
Bitte seht die folgenden Geschichten / mythen nicht als in Stein gemeißelt, viele werden seit Generationen übermittelt mit der entsprechenden erzählerischen Freiheit, die beim Reden aufkommt, während man bei Wässerchen in der Banja sitzt.... aber jede Geschichte hat ihren Wahren Kern, vielleicht auch mehrere...

Bitte postet auch eure Geschichten, um Interessierten einen Einblick auf das zu geben, was Kharkovianer gruselt.
Jegor Fjedorowitsch Wilgóra - Shaid Priester (bekannt als Jegor Petrovskowitsch = Kind von Petrovska; der blaue Priester)

Offline Jegor

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Re: Geschichten/Mythen aus Kharkov
« Antwort #1 am: Februar 29, 2020, 08:30:02 »
Eine Legende um die Familie Lebedew, und wie sie in Petrovska wiedergegeben wird:


Zu einer Zeit, in der die Menschen noch um die Voi und ihre Wege wussten, gab es den Bojarensohn Antoni Lebedew, der auszog, um eine Braut zu finden. Lange und weit reiste er, bis er in ein kleines Dorf in den Bergen des Nordens kam. Als er bei dem dortigen Bojaren um das Gastrecht bat, fiel sein Auge auf eine junge Frau, die Tochter des Bojaren. Ihr Haar hatte die Farbe von lichtem Kupfer und brannte in der Sonne wie die Morgenröte. Grazil und anmutig waren ihre Bewegungen im Tanz, den es zu Ehren des Gastes gab und ihre Stimme klang lieblich und zauberte Sehnsucht in die Herzen eines jeden, der sie zu hören vermochte. Doch mehr noch als dies verzauberte ihn ihr schneller Verstand und ihr freundliches Wesen. Irina, so war ihr Name, hatte ein gütiges Herz und je länger er Zeit an ihrer Seite verbrachte, desto mehr gewann sie sein Herz für sich. Sie versprachen einander und Antoni ritt heimwärts, um seinen Eltern von seiner Verlobung zu berichten. Seine Eltern waren froh um die gute Wahl, die ihr Sohn getroffen hatte und gaben ihm ihren Segen. Im neuen Frühling, zum Fest der langen Sonne, sollte ihre Heirat stattfinden und nachdem in der Heimat alle Vorbereitungen getroffen waren, ritt er zurück in die schneebedeckten Berge, um Irina nahe sein zu können. Doch wie erschüttert war Antoni, als er seine Liebste bei seiner Rückkehr blass und kränklich vorfand. Das Gesicht wie Milch war in der Zeit ihrer Trennung zur Farbe von Asche gewandelt worden, ihr Haar schien vom strahlenden Leuchten der Morgenröte zu ersterbender Glut gedämpft und ihr so funkelnder Verstand war müde und traurig. Kein Medicus fand Heilung und Antoni wurde es schwer ums Herz, seine Liebste so zu sehen und war entschlossen, die Quelle ihres Kummers zu finden. Nacht um Nacht schlug er sein Lager auf dem harten Boden vor ihrem Gut auf, um ihr nah sein zu können, wenn sie ihn brauchte. Und so kam es, dass er eines Abends erwachte vom Gefühl einer zarten Hand auf seiner Schulter. Als er die Augen aufschlug war niemand zu sehen, doch das helle Gesicht der Mutter Shaid warf ihren Glanz durch die dunkle Nacht und erleuchtete Antoni das Geschehen. Stumm sprach er ein Gebet als Dank für dieses Zeichen und beobachtete, was sich auf dem Hof tat. Die Kälte kroch ihm ins Gebein, doch er rührte sich nicht, denn Leben ist Schmerz und ihn um ein geliebtes Wesen zu ertragen ist bittersüß.
Lange Zeit verging, bis schließlich der Mondschein eine hagere Gestalt enthüllte, die sich dem Haus näherte. Bleich war die Haut wie die einer Leiche und die Augen des Wesens waren so dunkel wie ein mondloser Nachthimmel, so schwarz wie die Seele des Anderen. Vor der Tür verwandelte es sich in Rauch und Nebel, der durch die Ritzen kroch und Antoni sprang auf. Mit der Kraft des Gerechten sprengte er die Tür aus dem Rahmen, nur um alle Diener in einem tiefen, unnatürlichen Schlaf vorzufinden. Er eilte die Treppe hinauf zu den Gemächern seiner Liebsten und fand den Strigoi über sie gebeugt, die Lippen rot von ihrem Lebenssaft. Sie kämpften lange und beide trugen tiefe Wunden davon, doch als der Morgen nicht mehr fern war und Antoni bereits den Sieg witterte, lachte das Geschöpf des Anderen höhnisch.
"Niemals sollst du bekommen, was mein ist", sprach er und hob Irina auf, als wiege sie nicht mehr als eine Daunenfeder und mit ihr in seinen Armen nutzte der Strigoi abermals die dunklen Kräfte des Anderen und sprang aus dem Fenster, um mit einer Geschwindigkeit wie der schneidende Winterwind den Ort zu verlassen. Antoni verfolgte seine Spur, viele dunkle Orte besuchte er auf seiner Reise und erschlug Diener des Strigoi, bis er schließlich an die Ruinen einer einstmals stolzen Burg kam. Schroffe Klippen erklomm er und das Geschrei der Raben schien ihn zu verlachen. Obwohl sein Herz ihn drängte sofort hinein zu eilen, befahl er sich zu warten, bis die Kraft der Mutter in ihrer vollen Gänze auf seiner Seite war und im Morgenlicht betrat er das Gemäuer. Tief in den Eingeweiden der Burg schließlich fand er Irina. Sie schlief tief und erwachte nicht, als er ihre klammen Lippen küsste, doch ihr Atem war süß und ihr Herz schlug langsam, aber stetig. Das Herz wurde ihm schwer, sie zu verlassen, doch der Unhold musste gefunden werden. Erneut schien es ihm auf seinem Weg, als berühre ihn eine sanfte Hand, wann immer er sich für einen von zwei Wegen entscheiden musste und in den dunklen Erdhöhlen schließlich fand er den Sarg, in dem der Strigoi den Tag verbrachte. Obwohl die Sonne hoch am Himmel stand und ihn auch hier unten schwächte lieferten sie sich abermals einen erbitterten Kampf. Diesmal war Antoni ihm schließlich überlegen, doch ehe Antoni ihm den Kopf abschlagen konnte verschwand es abermals. Der Bojarensohn war sich allerdings sicher, dass es seinen Wunden erliegen würde und als er zu Irina zurückkehrte und diese ihn mit strahlenden Augen und wach erwartete, war er froh, küsste sie und brachte sie heimwärts. Es dauerte, bis sie sich erholt hatte, doch als der Tag der langen Sonne kam, war sie wieder wohlauf und als sie sich den Hochzeitskuss gaben, strahlten ihre Wangen mit ihrem Haar um die Wette.
Eine glückliche Zeit verlebten sie miteinander und nach einem Jahr war Irina guter Hoffnung mit ihrem ersten Kind. Keiner der beiden hätte sich mehr wünschen können, waren sie doch gesund und froh miteinander und ihre kluge und gütige Herrschaft sicherte Frieden und Wohlstand im Land.
Eines Nachts jedoch erwachte Irina und sah in das Gesicht des Strigoi. Seine Haut war von den Wunden gezeichnet, die Antoni ihm zugefügt hatte und von der Sonne, in der er hatte entkommen müssen verbrannt, doch seine Augen funkelten in kaltem Hass. Unfähig zu schreien oder sich auch nur zu bewegen konnte Irina nichts anderes tun, als seinen kalten Worten, seinem widerlichen Zischen Gehör zu schenken.
"Du hast meine Braut sein sollen und dich einem anderen geschenkt. So lass mich dir ein Geschenk zu deiner Vermählung geben, auf dass du mich niemals vergisst: deine Kinder sollen mein Zeichen tragen. Jene, die das Licht der Sonne scheuen, jene, die krank und schwach sein werden, wie ihr mich zurückgelassen habt und jene, die sterben, sobald der nächste Morgen dämmert, wie ihr meine Diener habt sterben lassen. Ich verfluche dich bis zu jenem Tag, an dem unsere Schuld beglichen ist." Und mit jenen Worten verschwand er, als sei er niemals dort gewesen und ward nie wieder gesehen. Irina betete und hoffte, dass dies nur ein schlechter Traum gewesen sei, doch als ihr Kind geboren wurde, trug ihr Sohn die schwarzen Augen des Strigoi und seine Haut war blass und verbrannte, wenn das Licht der Sonne sie zu lang berührte.
Und so ist es seitdem bei den Nachkommen der Familie Lebedew: sie tragen die Schönheit Irinas in ihren Zügen, doch das dunkle Erbe der Strigoi in ihrem Blut. Darum hütet euch vor jenen und seid gewarnt, denn das dunkle Erbe hat sie oft zu mächtigen Baba Yaga und Koldunen werden lassen. Sie stehen dem Anderen näher als andere, auch wenn es jene unter ihnen gibt, die sich der Mutter verschrieben haben, um ihr Erbe von dem Fluch zu befreien. Leider gibt es auch viele Lebedew, die dem Ruf des Dunklen Blutes folgen, und die finsteren Wege der Fetma (bösartige Baba Yaga) beschreiten.
Jegor Fjedorowitsch Wilgóra - Shaid Priester (bekannt als Jegor Petrovskowitsch = Kind von Petrovska; der blaue Priester)

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Re: Geschichten/Mythen aus Kharkov
« Antwort #2 am: Februar 29, 2020, 17:58:52 »
Fein! ?

Im Kharkovteil der Homepage gibt es einen Geschichten, Kultur und Brauchtum-Teil, in dem man diese Geschichten einstellen kann. ?

Gruß,
Björn
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Offline Jegor

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Re: Geschichten/Mythen aus Kharkov
« Antwort #3 am: Februar 29, 2020, 18:46:03 »
Hi Björn,
Eins nach dem anderen, der Kharkov Teil der Homepage bekommt sein Fett auch noch weg, keine Sorge. Ein Vorab sammeln weiterer Geschichten soll bei der Strukturierung helfen. Vielleicht gibt es ja weitere Geschichten zu den Lebedew (die als Familie ja auch bereits öfters aufgetaucht ist, z.b. die Alpha Con vor 2 oder 3 jahren in Fjordovskaja), die sich im Spiel entwickelt haben könnten. Oder eben weitere Geschichten zu anderen themen, die man dann in einem Schlag in Format bringt, und zum Einbinden in die Homepage gibt.

Grüße,
Andreas
Jegor Fjedorowitsch Wilgóra - Shaid Priester (bekannt als Jegor Petrovskowitsch = Kind von Petrovska; der blaue Priester)

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Re: Geschichten/Mythen aus Kharkov
« Antwort #4 am: März 01, 2020, 13:05:01 »
Ich schaue mal, ob ich noch irgendwelche liegengebliebene Geschichte auf meiner Platte liegen habe, die in den Canon gehören, und würde hier was einstellen, wenn ich noch was finde.

Vielleicht ist da ja was taugliches dabei.

Ich schaue auf jeden Fall mal. ?

Gruß,
Björn
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