Autor Thema: Schwingenstein: Das neue Lehen Fahlen - die ersten sieben Tage  (Gelesen 106 mal)

Offline Alvin

  • Vorstandsmitglied
  • Wurzelbeisslingzerreißer
  • ***
  • Beiträge: 350
Tag 1

Gleich am Morgen nach Aramis Ritterschlag macht sich Auros von der Sternengischt auf den Weg in sein neues Lehen Fahlen. Ein Bote wird nach Burg Schwingenstein entsandt, um dort verbliebene Papiere zu holen. Ein weiterer Bote macht sich auf den Weg zur Feste Funkenfels, die sich nun in Eichingen befindet, um von hier persönliche Dokumente und das Privatvermögen des neuen Freiherren in das neue Lehen zu überführen. Am Mittag überquert der neue Herr von Fahlen nur begleitet von zwei Soldaten seines Onkels und einem Schreiber bei Mühlenstieg die Malka und betritt erstmals sein neues Lehen. Im Ort selbst wird Auros vom Vogt und einigen Adeligen begrüßt,  die nach dem Rat mit dem Baron direkt aus Sommburg hierher gekommen waren. Die Stimmung ist angespannt. Es wird deutlich, dass der neue Herr den meisten eigentlich nicht willkommen ist. Dennoch wird die Form gewahrt. Der neue Freiherr beschließt zunächst in Mühlenstieg sein Lager aufzuschlagen. Es ergeht die Weisung, dass sich alle Amtsinhaber sowie Vertreter aller Adelsfamilien der neuen Gemarkung, die sich von der Malka im Osten bis Kharkov und von der Reichsstraße bis Perchtograd erstreckt, in vier Tagen in eben dieser Stadt einfinden sollen. Nachdem der formale Teil beendet ist, zieht sich der Herr von Fahlen zurück. Den Anwesenden fällt auf, dass seine Kammer die folgende Nacht hindurch hell erleuchtet ist.

Tag 2

Nachdem in Mühlenstieg die ersten Weisungen erteilt sind, geht es weiter nach Steinacker. Der Ort, der im Bürgerkrieg fast vollständig zerstört wurde ist noch immer ein Trümmerhaufen. Ebenso wie in den umliegenden Ländereien sind hier die Verwüstungen des Bürgerkrieges überall sichtbar: Häuser und der Schrein der Meret sind nur noch ein Haufen Steine, die Felder liegen brach und die Menschen leben in notdürftig hergerichteten Unterkünften. Auros lässt außerplanmäßig halt machen, um sich den Zustand der Ländereien genauer anzusehen. Von einem Zelt aus werden daraufhin weitere Anweisungen per Bote ausgeschickt.

Tag 5

Auch die folgenden Tage mit einem Ritt nach Varma und schließlich nach Perchtograd zeigen Auros den schlechten Zustand seiner neuen Gemarkung: Überall sind Zerstörungen des Krieges zu sehen, viele Männer sind im Krieg gefallen, Felder werden nicht bestellt, es fehlt an Soldaten und Bütteln, um Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten und an manchen Stellen bestehen keine funktionierenden Verwaltungsstrukturen mehr. Langsam dämmert es Auros, dass der zu erwartende Widerstand der alten Adelsfamilien nicht sein einziges Problem sein wird. In diesem Zustand wird das Lehen große Investitionen benötigen, bevor auch nur ein Silberstück wieder an ihn zurückfließen kann. Es scheint als könne derzeit nicht einmal die Ernährung der Bauern im Winter gesichert werden. Auros seufzt. Er wird schnell handeln müssen, um nicht noch mehr Arbeitskraft zu verlieren. Was er gesehen hat zeigt, dass dies eine reiche Gemarkung sein kann -  wenn es ihm gelingt den nötigen Wiederaufbau zu bezahlen. In Perchtograd angekommen setzt er sofort ein Schreiben an das Handelshaus Venetresca auf. Er wird Darlehen und Kredite benötigen, viele davon. „Es ist erneut ein großes Wagnis, sich so hoch zu verschulden“,  murmelt Auros und massiert sich die Schläfen. „Aber wie das letzte wird sich auch dieses auszahlen. Sie werden alle schon sehen, zu was ich in der Lage bin.“ Erneut brennt das Licht in Auros Kammer die gesamte Nacht hindurch.

Tag 6

Früh am Morgen versammeln sich Vertreter der Adelsfamilien sowie alle Amtsmänner der Gemarkung auf dem Hügel vor den Toren der Stadt. Die Ruinen der Feste Perchtograd sind mit Moos überwachsen, die Gemäuer noch immer rußgeschwärzt und die Türme eingestürzt. Auros stellt sicht vor den Versammelten in die Mitte des früheren Burghofes und pflanzt sein Banner in die Erde. „Die Herrschaft der Verräter an dieser Stätte ist zuende“, ruft Auros der Menge zu. „Wir wollen hier als Zeichen des Friedens, der neuen Ordnung und als Symbol der Freundschaft zwischen Nord und Süd eine neue Burg errichten. Sie soll hier, wo mein Vater Francesco im Kampf fiel, Stammsitz der Familie von der Sternengischt, der Herren von Fahlen, sein.“ In der Menge wird gemurmelt. Derweil nickt Auros seinem Schreiber zu, der vortritt und beginnt zu verlesen:

„Erlass seiner Wohlgeboren Auros von der Sternengischt, Freiherr von Fahlen. Vom heutigen Tage an sollen Feste und Stadt nicht länger den Namen Perchtograd tragen. Sie sollen zu Ehren von Francesco von der Sternengischt fortan in der traditionellen Zunge Schwingensteins den Namen Stjerpevnost, in galladoornisch Sternenfestung, tragen.“

„Erlass seiner Wohlgeboren Auros von der Sternengischt, Freiherr von Fahlen. An der Stelle der früheren Feste Perchtograd soll eine neue Burg errichtet werden. Sie soll fortan Stammsitz der Familie von der Sternengischt,, der Herren von Fahlen sein.“


„Erlass seiner Wohlgeboren Auros von der Sternengischt, Freiherr von Fahlen. Mit Ausnahme des Gebietes der früheren Gemarkung Schwarzbergen sind alle Amtsinhaber mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern entbunden. Die Familien, die zuvor das Recht hatten, diese Ämter zu besetzen,  sollen binnen sieben Tagen aus ihren Reihen einen neuen Amtsmann benennen. Posten, die durch eine Familie nicht besetzt werden können, werden nach Maßgabe des Freiherren zu einem späteren Zeitpunkt vergeben.“

Durch Teile der Versammelten geht ein Raunen. Während einige entrüstet zu protestieren scheinen, können sich andere ein gieriges Lächeln nicht verkneifen. „Ruhe!“,  ruft Auros. „Es sei an einem jeden erneut die Loyalität zu seiner Hochwohlgeboren durch treuen Dienst zu mir zu beweisen. Gute Dienste sollen mit Aufstieg belohnt werden, schlechte Dienste führen zur Amtsenthebung, erneuter Verrat zum Tod!“ Er kneift kurz die Augen, unter denen sich tiefschwarze Ringe gebildet haben, zusammen und nickt dann dem Schreiber zu, der fortfährt.

„Erlass seiner Wohlgeboren Auros von der Sternengischt, Freiherr von Fahlen. Ein jeder freie Mann, der im Bürgerkrieg auf einer der beiden Seiten gekämpft hat, soll eine Scholle Land und genügend Geld zum erstmaligen Bestellen der Felder erhalten. Eine jede Frau, deren Mann in den Kämpfen gefallen ist, soll sich ein Leben lang durch den Herren von Fahlen persönlich ausreichend versorgt wissen und eine Rente erhalten.“

Erneut geht ein Raunen durch die Menge. Der Schreiber beendet seine Ansprache. Auros steigt wieder auf sein Pferd und wendet sich ein letztes Mal an die Versammelten: „Lasst uns nun unser Werk beginnen für Wohlstand und Frieden in Fahlen! Lang lebe der Baron, Romarik Aurora von Tauenrank!“ Dann reitet er mit seinen Begleitern zurück in die Stadt Stjerpevnost, wo in der Amtsstube bald wieder emsige Geschäftigkeit einkehrt.

Tag 7

Am heutigen Tage treffen in zahlreichen großen Truhen das Privatvermögen von Auros sowie ein Bote aus Eichingen für ihn ein. Letzteren bezahlt er und lässt das übergebene Paket in seiner Tasche verschwinden. Er kündigt an, schon am morgigen Tag seine Inspektion der Gemarkung fortsetzen zu wollen. In sieben Tage Tagen will er sich für Beratungen mit  Aramis von Wintersang in Sommburg treffen. Nach seiner Rückkehr soll dann die eigentliche Arbeit mit den neuen Vögten und weiteren Amtsinhabern beginnen. Zudem soll eine Karte der neuen Gemarkung erstellt werden, um die neue Verwaltungsgliederung erarbeiten zu können. Noch einmal schweift sein Blick über die Amtsstube. „Es gibt viel zu tun“, murmelt er und schwingt sich auf sein Pferd.
Alvin von Dojewski (geb. Cramers) - Studiosus der arkanen Künste
Auros von der Sternengischt - Herold seiner Hochwohlgeboren Romarik Aurora von Tauenrank
Aleksej Pjotrowitsch - Jäger-Anwärter
Knut - Hier und da auf der Suche nach Arbeit